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Der erste Obernschmaus – ein persönlicher Bericht über eine kulinarische Mutprobe 

Der Blick geht auf die Uhr: 16:45. Panik bricht aus. Jetzt die Checkliste schnell im Kopf durchgehen: Essen abschmecken, Tisch decken, etwas einigermaßen Akzeptables anziehen und vor allem das Chaos in der Küche zumindest noch verstecken, bevor die Gäste um halb 6 ankommen. Und eine Frage drängt sich mir immer wieder auf: Wer kommt denn da jetzt eigentlich gleich zu mir nach Hause?

Eventuell mag es so einigen Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Obernschmauses am vergangenen 09.05.2026 in Obernburg ergangen sein, dem ersten Running Dinner in der Region, organisiert vom KKO, dem Kultur Kollektiv Obernburg. Hierfür konnten sich alle Obernburgerinnen und Eisenbacher entweder allein oder zu zweit anmelden, egal ob als Freunde, Partner, Kollegen oder auch Familienmitglieder. Eine Woche vor dem Event erhielten alle angemeldeten Teams die Information, ob sie selbst die Vor-, Haupt- oder Nachspeise kochen dürfen. Für uns war es Ersteres. Hinzu gesellten sich lediglich zwei weitere Adressen, nämlich für die der Haupt- und Nachspeise. Wer aber gleich an unserer Tür klingeln würde, ja das wussten wir nicht. Die Spannung stieg weiter!

Nachdem das Küchenchaos nun doch in Windeseile beseitigt war, ging der Blick erneut zur Uhr: 17:28. Zwei Minuten und ein sauberes T-Shirt später war es soweit. Das erste Team, zwei Freundinnen, klingelte überpünktlich und das zweite, ein Ehepaar, erschien zugleich. Und so begann ein wunderbarer Abend! Sechs Menschen, die in dieser Zusammensetzung wahrscheinlich nie an einem Tisch zusammengesessen hätten, tauschten bei Aperitif und anschließender Vorspeise, Namen, Interessen, Hobbies, Brettspielempfehlungen und so vieles mehr aus. Und so musste es natürlich auch so kommen, dass man sich verquatscht und die ersten eineinhalb Stunden des Abends wie im Flug verflogen waren.

Auf dem Weg zur Hauptspeise erblickte man auf den Fahrrädern so manche Pärchen, die verdächtig schnell zu radeln schienen. Machen die vielleicht auch beim Obernschmaus mit? Ob sie sich wohl auch bei der Vorspeise mit anderen Menschen verquatscht haben? Zu viel Zeit für solche Fragen blieb aber nicht, denn dann erreichten wir schon die Adresse für die Hauptspeise. Zwei neue Gastgeber und zwei weitere Gäste, die allesamt von einer anderen Vorspeise kamen und nach zwei Stunden auch wieder zu unterschiedlichen Adressen weiterfahren würden, lernten wir nun kennen. Nach der eigenen asiatisch angehauchten Vorspeise wurden wir nun mit einer vollen Tafel mit den unterschiedlichsten türkischen Spezialitäten verwöhnt, das Perfekte Dinner lässt grüßen. Nicht nur das fantastische Essen war es aber, das alle erneut zusammengewürfelten Menschen so begeisterte, sondern auch die Gespräche, die wir dabei führten. Ob der Austausch über die Tücken der Erziehung von Teenagern, die Erinnerung oder besser gesagt die Verdrängung der Corona-Jahre, bevorstehende Veranstaltungen in Obernburg, von denen man selbst noch nichts gehört hatte, um all das und so vieles mehr ging es in zwei zweiteren Stunden am Abend, die wiederum gleichfalls wie im Flug vergingen.

Um 21 Uhr wurden die gefüllten Mägen dann jedoch nochmal auf die Probe gestellt, als es zur Nachspeise ging. Getreu dem Motto, etwas Süßes geht (noch) immer, begegneten sich erneut drei neue Teams und genossen Panna Cotta und Erdbeeren, wie sich später herausstellte bei nahezu allen Nachspeisen.

Drei weitere Aperitifs später radelten und liefen aus allen Himmelsrichtungen Oberburgs die Teilnehmer des Obernschmauses zum örtlichen Bistro Stopschild. Hier versammelten sich dann fast alle Köchinnen und Köche des Abends noch spontan und tauschten sich in geselliger und großer Runde über die kulinarische Mutprobe aus, über das Einladen fremder Menschen, ohne zu wissen, wer das sein wird, die Aufregung, ob es denn allen schmecken würde oder ob es einem selbst denn bei anderen schmecken wird. All diese Gedanken spielten aber jetzt, um halb 1 in der Nacht im Stopschild, keine Rolle mehr. Die Panna Cottas, Spargelsuppen, Grillspezialitäten, Ratatouilles, Aperitifs, ausgetauschten Handynummern, Gespräche über – im wahrsten Sinne der Worte – Gott und die Welt hatten hier ihren Anteil. Und so sahen sich all die Menschen, die sich noch am Nachmittag gar nicht, entfernt oder auch etwas kannten, in einer Runde wieder, die ihre Türen geöffnet und sich auf die kulinarische Mutprobe eingelassen haben.

Manchmal muss man einfach mutig sein und sich trauen. Die nächste Gelegenheit wird kommen, beim zweiten Obernschmaus im kommenden Jahr.

Fabian Fischer